Staatliches Berufliches Schulzentrum
Waldkirchen
mit Außenstelle Grafenau
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Projekt: Flucht & Asyl - Staatliches Berufliches Schulzentrum Waldkirchen

Der Fachbereich Religion/Ethik organisierte das Schulprojekts „Flucht und Asyl" am Staatlichen Beruflichen Schulzentrum Waldkirchen. Schüler/innen aus drei Dachdecker- und einer Einzelhändlerklasse begegneten Asylbewerbern aus Syrien und Afghanistan und hatten viele Fragen: „Warum haben sie ihre Heimat und ihre Familie verlassen? Auf welchem Weg sind sie nach Deutschland gekommen? Was haben sie dabei erlebt? Warum sind es eigentlich viel mehr Männer als Frauen, die flüchten? Was erhoffen sie sich von der Zukunft?"

Drei Asylbewerber aus der Gemeinschaftsunterkunft in Hauzenberg und zwei Asylbewerber, die an unserer Schule eine Ausbildung zum Dachdecker absolvieren, stellten sich den Fragen der Schüler/innen und erzählten von ihrem Leben.

Zunächst waren es die Berichte über die teils lebensgefährlichen Umstände der Flucht, welche die Schüler/innen in den Bann zogen. „Meine Mutter hat mich hinausgestubbst", erzählt der Dachdeckerschüler Ahmad aus Damaskus. „Sie wusste, dass entweder die eine oder die andere Kriegspartei mich früher oder später zwingen würde, mitzukämpfen. Also floh ich zuerst nach Libyen, wo ich zwei Jahre lang mit anderen zusammen wohnte und arbeitete. Doch wir mussten uns verstecken, weil wir immer wieder rassistisch angegangen wurden. Einmal drangen bewaffnete Männer in unsere Wohnung ein und zwangen uns Geld zu geben. Ein erster Versuch mit einem Fischerboot übers Mittelmeer zu fliehen endete in Tunesien. Wir gingen 36 Stunden zu Fuß, ohne Essen und Wasser zurück nach Libyen. Fast wären wir verdurstet. Beim zweiten Versuch fiel der Motor des völlig überfüllten Schiffes aus. Mehrere Tage trieben wir auf hoher See, gequält von Durst und der Angst zu ertrinken. Dann brachte uns ein Boot der Küstenwache nach Italien, doch ein Baby und eine ältere Frau waren gestorben". Moharam aus Afghanistan berichtet, wie er im Iran, kurz vor der Grenze, plötzlich beschossen wurde. Einige seiner Kameraden blieben getroffen zurück, während er, flach auf dem Boden kriechend, entkommen konnte. Er war geflohen, weil er drei Mal von den Taliban unter Druck gesetzt worden war, Informationen über deutsche Organisationen preis zu geben. Für die Welthungerhilfe und die GIZ (Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) hatte er in seinem Heimatland gearbeitet und konnte sich nur noch maskiert auf die Straße wagen. „Sie hätten mich umgebracht. Darum musste ich meine Frau und meine beiden Söhne verlassen." „Ich hatte eine Textilreinigung in Aleppo", berichtete Maher, der mit seinem 19-jährigen Sohn anwesend war. „In den 70'er Jahren bin ich mit meinem Vater vor dem Bürgerkrieg im Libanon nach Syrien geflohen. Jetzt musste ich wieder weg, diesmal mit meinem eigenen Sohn." Zur Frau und den Töchtern, die immr noch in Aleppo ausharren, hält er Kontakt. „Es ist dort schrecklich, aber das Stadtviertel, in dem meine Familie lebt, ist noch nicht zerstört."

Warum überwiegend junge Männer die Flucht wagen erklärt Pfarrer Schlierf, der sich in der evangelischen Kirchengemeinde von Vilshofen für Flüchtlinge einsetzt. „Zum einen ist die Flucht physisch sehr anstrengend, wie alle Anwesenden berichteten. Dann sind die Schlepper, ohne die es nicht geht, Verbrecher. Oft werden Frauen auf der Flucht vergewaltigt. Ein anderer Grund ist die Tatsache, dass in eroberten Gebieten gezielt die Männer getötet werden, Frauen und Kinder in der Regel verschont bleiben."

„Was ich mir von der Zukunft erhoffe? Ich möchte gerne hier in Deutschland leben", sagt Schabir aus Afghanistan. „Seit vielen Jahren bin ich hier, habe in unterschiedlichen Jobs gearbeitet. Wenn ich meine Dachdeckerlehre abgeschlossen habe, verdiene ich besser und kann meine Familie, die auch in Deutschland ist, unterstützen."

„Ich möchte wieder zurück nach Damaskus. Es ist meine Heimat, und ich sehne mich nach meiner Familie. Aber wann das möglich ist, das weiß ich nicht“, sagt Ahmad. Er war es auch, der das Schlusswort sprach: „Es gibt unter den Flüchtlingen auch schlechte Menschen. Aber bitte denkt nicht, dass wir alle so sind. Die Finger an deiner Hand sind doch auch alle verschieden. Ich bin den Deutschen sehr dankbar, dass ich hier so friedlich leben und eine Ausbildung machen kann. Das werde ich nie vergessen!“

                                                                                   Martin Clemens

Folgende Personen finden Sie auf den Bildern (von links nach rechts)

Martin Clemens (kath. Religionslehrer), Pfarrerin Barbara Kovarik (evangelische Religionslehrerin), Schabir (Dachdeckerschüler aus Afghanistan), Moharam (aus Afghanistan), Tawfig und dessen Vater Maher (aus Syrien), Ahmad (Dachdeckerschüler aus Syrien), Pfarrer Schlierf (evangelische Gemeinde Villshofen)

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